Der New Yorker Martin Doudoroff wird auf dem diesjährigen Bar Convent Berlin als Gründer von CocktailDB über neue Cocktail-Apps sprechen und mit seinem Fachwissen das Taste Forum über Wermut leiten
Inspiriert von der Filmdatenbank Imdb.com startete er vor Jahren zusammen mit seinem Freund und Kollegen Matt Feifarek das Projekt CocktailDB.com als eine Antwort auf das Fehlen einer umfassenden Online-Datenbank für Cocktailwissen. Der Cocktailliebhaber ist außerdem auch für bekannte Cocktail Apps wie Tiki+ verantwortlich. Seine große Liebe gehört dem Wermut, wie man auf der Website vermouth101.com sehen kann. Uns erzählte er im Interview, wie er auf den Wermut kam, was er an Berliner Bars schätzt und wohin er auf einen Drink in New York geht.
Martin, Du warst schon mehrmals in Berlin, was sind deine Lieblingsorte?
Die Berliner Bars, die mir am meisten am Herzen liegen, sind in ungeordneter Reihenfolge: Buck & Breck, Green Door und Stagger Lee. Die Victoria Bar war tatsächlich vor einigen Jahren mein Einstieg in Berlins eigenwillige Cocktailkultur und bei meinen letzten Besuchen fand ich, dass sich die neuen Bars gut entwickelt haben. Die Drinks sind gut, ja, aber noch wichtiger ist, dass dies Orte sind, die mir gefallen - die Bars entsprechen voll meinem persönlichen Geschmack.
Woher kommt Dein Interesse an Wermut?
Mein Cocktailgeschmack ist entschieden der des 19. Jahrhunderts: Old Fashioneds, Manhattans und Ähnliches. Wermut hat schon immer einen hohen Stellenwert in meiner eigenen Mixologie eingenommen. Schon sehr früh stellte ich fest, dass Wermut eine große Qualitätsbreite und interessante, vergängliche Besonderheiten besitzt. Ich begann also Wermut zu erforschen, letztendlich soweit ich das vom Sofa aus in den USA konnte, wo so gut wie alle Wermuts aus dem Ausland importiert werden.
Eine Erfahrung, die mir die Augen öffnete, war eine Reise nach Bilbao im Jahr 1999, wo ich auf sagenhaft alte Cocktailbars traf, die alle ihren eigenen Haus-Wermut-Cocktail (mit hausgemachten Bitters) anboten. Fantastisch und mir komplett unbekannt zu der Zeit! Ich bin lange genug dabei, um einige große Veränderungen auf dem Wermutmarkt beobachten zu können - alle zum Besseren. Es gibt immer noch viel, das ich nicht über Wermut weiß, aber die Informationen kommen jetzt schneller und letztes Jahr beschloss ich ein wenig proaktiver in Sachen Wermut-Aufklärung vorzugehen. Daraus resultierte vermouth101.com und die Leute scheinen es zu mögen.
Was sind momentan deine Lieblingsorte für einen Drink in New York?
Meine Lieblingsbar ist Dutch Kills – das hat mit meiner Vorliebe fürs 19. Jahrhundert zu tun – aber ich liebe auch Clover Club, Narrows, Fort Defiance, Pegu Club, Mayahuel und PKNY. Ich muss äußerst vorsichtig sein, dass ich nicht mehr und mehr der Szene hinterherhinke. Als ich in das Cocktailding eintauchte Mitte der 90er, gab es eine kleine Zahl von uns und wir kannten uns untereinander alle sehr gut. Heute gibt es nicht nur Bars in New York, in denen ich noch nie war, es gibt auch welche, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Ich komme einfach nicht mehr nach.
Du wirst auch über Cocktail Applikationen sprechen auf dem Bar Convent Berlin. Welche Apps würdest du abgesehen von Cocktail Apps Bartendern empfehlen?
Knifflige Frage. Derzeit sind mir keine Apps bekannt, gut oder schlecht, die genau auf Bartender ausgerichtet sind. Ich erwarte, dass sich das früher oder später ändert und ich will darüber sprechen warum. Ich werde auch darüber reden, wie Apps generell eine viel persönlichere Angelegenheit (in Sachen Geschmack, Wert und empfundener Attraktivität) sind als traditionelle Softwareanwendungen, die man von PCs kennt. Deine Apps sind ein bisschen wie deine Mode – wie das, was du dir zum Anziehen aussuchst. Es ist eine sich fortwährend, schnell verändernde Landschaft. Spannend zu verfolgen, aber auch ermüdend.
Mehr Informationen: doudoroff.com